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11.10.2018 | Stefanie Starke | Passau

Heimatgespräch auf Oberhaus: „Europa ist keine Neuerfindung, sondern eine Wiederentdeckung“

MdL Waschler holt UdV-Landesvorsitzenden Posselt nach Passau

„Fernblaue Berge, ihr dunklen Felsenseen, ihr gottesfreien Wälder, o Heimat, bist du schön! Im fernen, fernen Lande lausch ich zum Herzen hin, mir rauschen alle Buchen des Böhmerwaldes drin.“ Mit diesem Zitat von Hans Watzlik aus einem Böhmerwaldführer, das die Sehnsucht zur Heimat widerspiegelt, hat MdL Prof. Dr. Gerhard Waschler das Heimatgespräch mit dem UdV-Landesvorsitzenden Bernd Posselt, MdEP a.D. eingeleitet.


Heimatgespräch auf Oberhaus
Unter dem Motto „Heimat stärken – Vertriebene, Aussiedler und Russlanddeut-sche fördern“ haben die rund 30 Gäste, darunter Mitglieder der Union der Ver-triebenen in Passau, der Deutschen aus Russland und politisch Interessierte, auf Oberhaus in Passau, dem Hauptredner aufmerksam gelauscht. Für Bernd Posselt, MdEP a.D. und Vorsitzender der Union der Vertriebenen und Aussiedler (UdV), gehört Passau definitiv zum Herzen Europas. „Viele Verbindungen zeigen, dass das Donauland eine große Bedeutung für Europa hatte – Europa war immer Heimat und Heimat immer Europa.“ Dabei sind für Posselt die Wurzeln Europas älter als die der Nationalstaaten. „Europa ist eine uralte Realität, die bereits in der Spätantike entstanden ist – keine Neuerfindung, sondern eine Wiederentde-ckung.“ Wenn man jedoch bedenke, dass Europa nur sieben Prozent der Weltbe-völkerung ausmache (mit sinkender Tendenz), sei die aktuell laufende Re-Nationalisierung ein gefährlicher Prozess. „Wir dürfen nicht in Nationalstaaten zersplittern, denn nur geschlossen spielen wir in derselben Liga mit Staaten, wie Russland, China, Indien oder Amerika“, so Posselt. Eine Re-Nationalisierung habe seiner Ansicht nach keine Zukunft. „Europa muss in dieser Welt gewahrt werden, damit wir überleben und unsere Freiheit überlebt – und dabei im Innern so kon-struiert sein, dass sich die Menschen hier wohlfühlen.“ Gleichzeitig sei es eine herausfordernde Aufgabe die Globalisierung mitzugestalten. Europa zeichne sich durch seine Vielfältigkeit aus, durch Subsidiarität und Föderalismus – die Stärkung von Regionen und der Vielfalt. „Diese Ziele dürfen jedoch nicht für eine Re-Nationalisierung missbraucht werden. Wir brauchen eine lebendige, aus sich her-ausstrahlende Einheit.“
Der Begriff Heimat sei heutzutage für viele Menschen nicht mehr einfach zu defi-nieren. „Viele Menschen haben heute mehrere Heimaten, auch aufgrund von Mo-bilität und neuen Bindungen – deswegen sind die Menschen jedoch nicht heimat-los. Der Begriff ist nur anders definiert“, ist Bernd Posselt überzeugt.
Wenn es um den Begriff Heimat ginge, dann kommt auch den Deutschen aus Russland eine besondere Bedeutung zu – und die damit zusammenhängende Ge-schichte. „Bei uns ist Integration nicht ganz so wichtig, weil wir schon sehr lang hier leben – aber wir wollen uns politisch einbringen und schätzen sehr, dass sich die CSU für die Anliegen der Politisch Vertriebenen und Russlanddeutschen ein-setzt“, so auch Carina Frei, die Passauer Sprecherin der Deutschen aus Russland. 
„Unsere Aufgabe ist, für die Zukunft Europas zu kämpfen“, ist der UdV-Landesvorsitzende Bernd Posselt überzeugt. Die jungen Menschen seien in dem Bewusstsein des Friedens und des Miteinanders aufgewachsen, über Länder und Sprachgrenzen hinweg, so Waschler: „Manchmal hat man jedoch den Eindruck, wir haben nicht genug aus unseren Kriegen gelernt. Aufgabe der Politik ist es: Aus der Vergangenheit zu lernen, in der Gegenwart zu handeln und in die Zukunft zu denken.“
Nachdem rund einstündigen Vortrag, dem die interessierten Zuhörer gebannt und mucksmäuschenstill lauschten, war es dem UdV-Landesvorsitzenden ein Anliegen nochmals zu betonen: „Wir haben hier ein wunderschönes Stück Heimat. Es ist wahnsinnig schwer etwas aufzubauen, aber man kann alles in Minuten zerstören. Wir haben die längste Friedens- und Freiheitsquote in der Geschichte Europas. Wir müssen innehalten und etwas dankbarer sein für das, was wir haben.“ Man dürfe als Einheit in der Vielfalt nicht verschwinden, um das Lebensmodell nicht zu verlieren. Bayern sei bisher das Zentrum der Stabilität Europas gewesen, im Herzen Europas, eine De-Stabilisierung hätte Auswirkungen auf den gesamten Kontinent. Es gelte den Zusammenhalt zu wahren.

Foto (Olaf Pint): (v.l.) Bezirksrat Josef Heisl, BdV-Kreisvorsitzender Hermann Fol-berth, Konstantin und Carina Frei (Vorstände der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland e.V.), MdL Prof. Dr. Gerhard Waschler, UdV-Landesvorsitzender MdEP a.D. Bernd Posselt, MdL Walter Taubeneder und CSU-Landtagskandidat Ste-fan Meyer.