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12.03.2020 | Stefanie Starke | München/Passau.

„Wir sehen den bayerischen Religionsunterricht als elementar für die Wertebildung unserer Kinder“

CSU-Abgeordnete tauschen sich mit Geistlichkeit aus

„Was gut ist, sollte bleiben“, dieser Auffassung ist Pfarrer Dieter Martin, stellvertretender Dekan und Schulreferent des evangelischen-luth. Dekanats Passau bei einem Austausch mit den CSU-Abgeordneten Walter Taubeneder und Prof. Dr. Gerhard Waschler sowie dem stellvertretenden Landrat Raimund Kneidinger zum konfessionsgebundenen Religionsunterricht.

Foto (Stefanie Starke): (v.l.) MdL Prof. Dr. Gerhard Waschler, Pfarrer Dieter Martin, Pfarrer Markus Kirchmeyer, MdL Walter Taubeneder und stv. Landrat Raimund Kneidinger.
Nach jeweils einem Antrag der FDP-Landtagsfraktion und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN-Landtagsfraktion ist der bayerische Religionsunterricht derzeit in der Diskussion. „Beide Anträge wurden bereits mit den Stimmen der Koalitionsfraktionen im Bildungsausschuss deutlich abgelehnt, um auch in Zukunft einen qualitätsvollen konfessionsgebundenen katholischen, bzw. evangelischen Religionsunterricht sicherzustellen“, will MdL Prof. Dr. Gerhard Waschler gleich eingangs betonen. Bayernweit sei man derzeit mit Vertretern der Geistlichkeit im Dialog, um die jeweiligen Haltungen einzuholen und zu diskutieren.
Zur Erläuterung: Die FDP-Landtagsfraktion hatte bereits Ende Oktober 2019 im Bildungsausschuss des Bayerischen Landtags den Antrag eingebracht, den Religions- und Ethikunterricht neu zu denken und das Format „Dialogunterricht“ einzuführen. „Mit einer Zustimmung zu diesem Antrag hätte man dem Schüler die Wahl übertragen, sich vom konfessionsgebundenen Unterricht, beziehungsweise dem Ersatz durch Ethik zu lösen. Und als nächstes kommt die Frage auf, wer bei der Lehrplangestaltung dann mitreden darf“, so MdL Waschler. Derzeit obliege den Kirchen die Gestaltung des konfessionsgebundenen Religionsunterrichts – dem Lehrplan werde dann vom Freistaat stattgegeben. Der Antrag der GRÜNEN-Landtagsfraktion verfolgte das Ziel „Interreligiöse und religionskundliche Angebote an den Schulen zu stärken“, die aus Sicht der CSU-Abgeordneten längst in den Lehrplänen enthalten sind. 
„Unserer Ansicht nach wird hier eine Art Salami-Taktik angewandt, um bewährte Strukturen aufzubrechen und sie letztlich in eine unverbindliche Art von Lebenskunde – wie in Berlin geschehen – umzuwandeln“, begründen die Abgeordneten ihre deutliche Ablehnung der beiden Anträge.
„Konfessionsgebundener Religionsunterricht hat seine Richtigkeit und soll natürlich beibehalten werden – das ist unser Zugang zur Jugend, da bekommen wir Feedback und treten mit den jungen Menschen direkt in Kontakt“, so auch Pfarrer Markus Kirchmeyer, Prodekan des katholischen Dekanat Passau. Im Gespräch mit den Abgeordneten haben die Kirchenmänner deutlich das Pro des konfessionsgebundenen Religionsunterrichts formuliert: „Ein Pfarrer hält hier noch Unterricht. Junge Menschen bekommen also ein direktes Bild aus einem Standpunkt heraus vermittelt. Immerhin sind wir das Gesicht der Kirche, an dem man sich auch reiben kann, wo man sich erklären kann und so soll es unserer Meinung nach sein.“ Zudem müsse man deutlich betonten, dass interreligiöse Inhalte bereits in hohem Maße auch im konfessionsgebundenen Unterricht Bestand hätten – „in den ersten Jahrgangsstufen oftmals mehr als die eigene Glaubenslehre.“
„Uns ist es wichtig, dass die Kirchen sensibilisiert sind. Wir sehen den klassischen Religionsunterricht in Gefahr – auch wenn es zunächst um Anträge ging, die punktuelle Veränderungen und zunächst nicht die generelle Abschaffung forderten“, so MdL Taubeneder. Eine Zustimmung zu den Anträgen hätte den Religionsunterricht in rund 6.000 bayerischen Schulen betroffen – „dies hätte aus unserer Sicht massive negative Auswirkungen und diesen Weg wollen wir nicht gehen“, so die Abgeordneten abschließend.