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26.08.2019 | C. Hirtreiter | Straubing

Straubing ist seit Jahrhunderten kulturelles Zentrum

Im Rahmen einer Praxisexkursion (16.8.19) konnte der niederbayerische Kulturarbeitskreis die Kulturschätze des ehemaligen Straubinger Jesuitenklosters und die verschiedenen Straubinger Polizeiinstitutionen besichtigen.

Foto: C. Hirtreiter

Polizeidirektorin Annette Haberl und Erster Polizeihauptkommissar Gerhard Bräu von der Straubinger Polizeiinspektion, zeigten sich erfreut, dass sich die ehemaligen Klosteranlagen nach langjähriger und kostenintensiver Renovierung in der bestehenden vorbildlichen Form zeigen. In den ehemaligen Klosterbereichen sind heute verschiedene Polizeieinrichtungen untergebracht. Annette Haberl und Gerhard Bräu berichteten zu den derzeitigen Herausforderungen und stellten die Wirkungsbereiche der Straubinger Polizeiinspektion vor. Die Jesuitenkirche wird seit einem Jahr von der rumänisch-orthodoxen Kirche genutzt und ist ein Kleinod Straubings und im Kern spätgotischen Ursprungs.

Aus den Studiersälen der Vergangenheit sind unter der Trägerschaft der Bayerischen Polizei weiterhin Stätten von überregionaler Bedeutung geworden. Die Einrichtungen sind für den Bereich Straubing und Straubing-Bogen sowie darüber hinaus zuständig. Nach der Begrüßung im Besprechungsraum der Polizeiinspektion Straubing wurden die Teilnehmer von Ersten Polizeihauptkommissar Gerhard Bräu über die Struktur und Aufgaben der Straubinger Polizei informiert. Anschließend fanden detaillierte Führungen statt. Hierbei galt das Interesse insbesondere der Leistungsfähigkeit der Polizeiinspektion im Katastrophenfall und ihrer Unterstützungsmöglichkeiten. Eine  Führung durch den Gebäudekomplex rundete das Treffen ab. Hier wurden unter anderem die Hafträume, sowie die Schaltzentrale beim Dienstgruppenleiter besichtigt. Besonderes Augenmerk wurde auf den ehemaligen Konventssaal, der über viele Jahrzehnte als Gerichtssaal diente, gelegt. Historiker und Stadtrat Werner Schäfer konnte den aus ganz Niederbayern angereisten Teilnehmern in brillianter Form die Geschichte des Gebäudekomplexes näher bringen.

 

In Straubing verfolgten die Jesuiten ihren Bildungsauftrag

Die Jesuiten sind seit Jahrhunderten Träger der Bildungsarbeit in Bayern. Die „Gesellschaft Jesu“ ist der größte Männerorden der katholischen Kirche. Um sich den jeweiligen Gegebenheiten vor Ort besser anpassen zu können, hatten die Jesuiten von Beginn an keine einheitliche Ordenskleidung und kein gemeinsames Chorgebet. Das jesuitische Bildungs- und Seminarsystem wurde in Bayern gegen Ende des 16. Jahrhunderts etabliert. Es blieb in dieser Form im Prinzip bis zur Aufhebung der Gesellschaft Jesu im Jahr 1773 bestehen. Die Steigerung der Aufgaben im Bildungswesen brachten im weiteren Verlauf des späten 16. und im 17. Jahrhundert eine organisatorische und räumliche Ausweitung der Jesuitenkollegien in Bayern mit sich. Der Orden setzte und setzt auch heute darauf, dass seine Mitglieder selbstverantwortlich und - je nach den Umständen in denen sie leben - angemessene Formen des Gebets und der Andacht ausüben. Das sieht in großen Ausbildungshäusern (Kollegien) anders aus als in kleinen Wohngemeinschaften (Kommunitäten) oder bei allein lebenden Jesuiten. Symbol des Ordens ist das Monogramm IHS (die ersten drei Buchstaben des Namens Jesus in griechischer Schrift), welches oft auch als Iesum Habemus Socium („Wir haben Jesus als Gefährten.“) oder Iesus Hominum Salvator („Jesus, der Erlöser der Menschen.“) gedeutet wird. Die Jesuiten spielten lange eine große Rolle im Bildungssystem. Die Anregung zur Einrichtung von jesuitischen Bildungsstätten ging auf Ignatius von Loyola selbst zurück, der 1551 vorschlug, dort außer Theologie, auch andere Fächer zu lehren hinzu. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts gab es in ganz Europa zahlreiche Schulen, an denen z. B. die Söhne von Adligen, aber auch Angehörige niedrigerer sozialer Klassen unterrichtet wurden. Die Jesuiten ließen sich 1631 in Straubing nieder. Von der Stadt wurde ihnen die "capellen unserer lieben frauen bei dem oberen thor" mit den dazugehörigen Einkünften als Kollegiumskirche überlassen. Nachdem der Jesuitenorden 1773 aufgehoben worden war, kam die Jesuitenkirche mit dem Patrozinium „Mariens Aufnahme in den Himmel“ als Nebenkirche zur Pfarrei St. Jakob. Werner Schäfer stellte fundiert auch die Entwicklungen seit der Ordensaufhebung bis zur Säkularisation und dem weiteren Umbau als Amtsgebäude des Landgerichts im 19. Jahrhundert vor. 

 

Jesuitenkirche ist ein Schmuckstück der Straubinger Kirchen

Seit über einem Jahr nutzt die rumänisch-orthodoxe Pfarrei “Hl. Konstantin u. Helena” Straubing unter Betreuung von Pfarrer Vasile Reut die Jesuitenkirche für ihre Gottesdienste. Die Stadtpfarrei St. Jakob hat das Gotteshaus der sehr aktiven orthodoxen Pfarrgemeinde für die Mitnutzung überlassen. Pfarrer Reut freute sich, dass die regelmäßig zwischen etwa 70 bis 100 Familien an den Gottesdiensten teilnehmenden orthodoxen Christen die geschichtsträchtige Kirchen nutzen dürfen. Er gab Erläuterungen zu den Ikonen und führte zur berühmten Reisinger-Krippe und dem gotischen Tympanon. Jesuitenkirche und insbesondere die berühmte Weihnachtskrippe der "Marianischen Männerkongregation" (MMC) tragen zur überregionalen Bedeutung Straubings bei, führte Gästeführerin Ursula Bosl-Seitz aus. Die Stadtführerin gab kenntnisreich Informationen sowohl zur Baugeschichte als auch zu den Altären weiter. Besonders herausgestellt wurde die berühmte Weihnachtskrippenlandschaft.

 Die Krippenfiguren stellen eine Szenenfolge dar, welcher der barocken Bewegtheit und biedermeierlicher Besinnlichkeit möglichst nahe kommt. Es wird deutlich die pastorale Absicht von Pater und MMC-Präses Baptist Reisinger dadurch zur Geltung gebracht, die Menschen durch die Krippen zu erfreuen und ihnen frohe Botschaft zu verkünden.

Durch die Konzeption der Gesamtdarstellung wird die alte Schönheit der einzelnen Krippenfiguren sichtbar, und es stellt sich dar, dass die Gesamtkrippe mit ihren verschiedenen Provenienzen -ihrer herkunftsmäßigen Vorgeschichte- neben u.a. Landshut zu den bedeutendsten Niederbayerns gehört und dass die 35 älteren Barockfiguren in ihrer hohen Kunstfertigkeit zu den besten ganz Bayerns zu zählen sind.

 

Jesuitenorden prägte Straubing über Generationen

Der Jesuitenorden ist seit Jahrhunderten Träger der Bildungsarbeit in Bayern. Schwerpunkt der historischen Führung waren neben dem ehemaligen Schwurgerichtssaal der Polizei, die restaurierten Räumlichkeiten und die in sehr schönen Zustand befindliche Jesuitenkirche mit der berühmten Reisinger-Krippe.

Bei einem Gang durch die ehem. Seminartrakte ist man erstaunt was aus den ehemaligen Studienbereichen des Jesuitenkollegs geworden ist. Vieles hat sich verändert, doch einige Institutionen, die mit dem Straubinger Jesuitenkolleg verbunden sind, sind nach wie vor intakt.

Der Organisator und stellv. niederbayerische Kulturarbeitskreisvorsitzende Christian Hirtreiter stellte die Anpassungsprozesse und die raschen Entwicklungszyklen, die auch in jüngster Zeit mit Veränderungen verbunden waren, heraus.

Über Jahrhunderte hinweg haben katholische Institutionen die niederbayerische Kultur- und Bildungslandschaft entscheidend geprägt und erfüllen auch heute mit den vielschichtiger werdenden Herausforderungen entscheidende Funktionen, so der niederbayerische Kulturkreisvorsitzende Prof. Dr. Gerhard Waschler aus Passau.

Gerade auch den Polizeidienstangehörigen dankte er für deren wichtiges Engagement, denn gerade die innere Sicherheit sei für die Gesellschaft von enormer Bedeutung.

Der Passauer Landtagsabgeordnete Prof. Waschler bekräftigte, dass gerade in Straubing gleichsam als einem „Kompetenzzentrum“ auch viele Einrichtungen von überregionaler Bedeutung beheimatet seien, welche die Stadt überregional früher und auch heute sichtbarer machen.